Enzo Mari

Designtransfer: Enzo Mari und „Autoprogettazione?“

1974 veröffentlichte der italienische Designer Enzo Mari in seinem Buch „Autoprogettazione?“ 19 Möbelentwürfe zum selber machen und schuf damit einen Meilenstein der Designgeschichte. Als Gegenentwurf zum Formalismus und gedacht als Demokratisierung des Designs kreierte Enzo Mari mit dem Programm „Autoprogettazione“ einen provokanten Gegenentwurf zum kapitalistischen Paradigma des Massenkonsum. Möbel nach Bedarf selber bauen. Das ist die Idee.

40 Jahre später räumt er dem CUCULA-Team nun die Rechte ein, die Entwürfe zu nutzen, nachzubauen und weiter zu entwickeln. So treffen die Ideen Enzo Maris in der CUCULA-Werkstatt auf die Ideen junger afrikanischer Männer, die – aus ihrer Heimat geflüchtet – sich daran machen, aus ihren ganz persönlichen Geschichten neue Perspektiven zu erschaffen.

Die Pläne Enzo Maris ermöglichen es dabei, über Sprachbarrieren hinweg, mit einfachem Werkzeug und wenig Erfahrung in Methoden der Holzverarbeitung, qualitativ hochwertige, langlebige und schöne Möbel herzustellen. In die klassischen Holzkonstruktionen integrieren die Flüchtlinge nun Relikte ihrer gefahrvollen Reise über das Mittelmeer und schaffen so eine Aussage, die über den Gebrauchswert der Möbel hinausreicht. Sie transformieren eine persönliche und universelle Katastrophe in eine konstruktive Zukunft. Auf diese Weise entsteht ein Lern- und Reflexionsprozess, der an die eigene Gestaltungskraft appelliert. In der Auseinandersetzung treffen die Designklassiker auf die Geschichten ihrer Erbauer. Design erweist sich als performativ, bewegt sich mit den Geschichten und bildet eine neue Identität. Design steht hier in direktem Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung.

Designtransfer – Platz nehmen! Die Botschafterstühle werden ihre neuen Besitzer auszeichnen, dass sie nicht an Flüchtlingswellen glauben sondern an Menschen, die Stärken und Talente haben.

„Design has something to do with utopia.“ …

„I want to create models for a different society.“ (Enzo Mari)